Ein Weg der Stille: der Soonwaldsteig

von Monika Kirschner

„Lass Dich auf eine Stille ein,
in der nur Atem, Wind und Blätter deine Seele bewegen.

Dann kehre in die Welt zurück -
kraftvoll und gelassen.

Der Soonwaldsteig ist anders. Er ist nicht einfach nur ein weiteres Angebot im boomenden Wandertourismus. Auf den Soonwaldsteig muss man sich einlassen. Das galt für die Planer, wie es jetzt für die Nutzer gilt. Wer sich auf den Soonwaldsteig begibt, lässt sich auf die Stille ein und nicht auf eine touristische Rundum-Versorgung. Das muss man mögen. 

Ich mag es und ich liebe den Soonwaldsteig genau dafür. Er ist nicht so laut wie der Rheinsteig und nicht so verregnet wie der Rothaarsteig. 

Er ist einfach still und wunderschön. 

Der Soonwaldsteig führt durch einen lange wenig beachteten, einen verwunschenen Wald. Obschon der Soonwald ganz in der Nähe der großen Ballungsräume von Frankfurt/Mainz und Köln/Bonn liegt, ruht er immer noch ein wenig im touristischen Dornröschenschlaf. Diese Eigenheit des Soonwaldsteigs hat ihre Wurzeln in der Vorgeschichte.

Wie es anfing ...

Jedem (Neu-)Anfang wohnt ein Zauber inne. Das gilt auch für den Soonwaldsteig. Als in den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts mit dem Ende des Kalten Krieges klar wurde, dass der Flughafen Pferdsfeld geschlossen wird, dachten viele Menschen in den Soonwalddörfern „Jetzt gehen hier die Lichter aus.“ Doch es gab auch andere, die ihre Hoffnung in einen Neuanfang aus eigener Kraft setzten. Dazu gehörte auch der Hunsrückverein mit seinem Vorsitzenden Gerd Danco, der sich sehr früh für einen Naturpark Soonwald engagierte und auch die Initiative Soonwald, die 1993 in Seesbach unter dem Vorsitzenden Rainer Altmeier gegründet wurde. Im Jahre 2000 begannen wir, von Initiative Soonwald, angeregt durch Gespräche mit Dr. Rainer Brämer, dem deutschen „Wanderpapst“, über einen großen Wanderweg durch den Soonwald nachzudenken. Auf der ersten „Soonwald-Konferenz“ in Simmern 2002 referierte unser Vorsitzender Hansjochen Staege über das Wandern im Soonwald und skizzierte bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal öffentlich den möglichen Verlauf des späteren Soonwaldsteigs. Der Vorstand des Naturpark Soonwald-Nahe ergriff die Ideen der Initiative Soonwald zum Soonwaldsteig und so konnte am 9. Mai 2009 auf Schloss Wartenstein, oberhalb des Hahnenbachtals, der Soonwaldsteig der Öffentlichkeit übergeben werden. Für den Wanderer mit Sinn für Romantik und Abenteuer verbindet er se den Saar-Hunsrück-Steig mit dem Rhein-Steig.

Die ersten Fans des Soonwaldes: Adel und Großbürger

Der Soonwald war schon Mitte des neunzehnten Jahrhunderts ein bevorzugtes Ausflugsziel der adligen und großbürgerlichen Kurgäste aus Bad Kreuznach. Sie sehnten sich in den schwülen Sommermonaten in der „müden Luft“ ihrer Kurstadt nach der frischen und „ozonreichen“ Waldluft des Soonwaldes. Die Kurstadt bot ihren „Kurfremden“ schon damals regelmäßige Ausflugsfahrten mit Kutsche und Kleinbahn in den nahen Soonwald. Das Gästebuch des Hotels der „Curcolonie Waldfriede“ bei Seesbach belegt, dass der Soonwald bald darauf ein bevorzugtes Ziel begüteter Großbürger war. Auch noch im letzten Jahrhundert bis zum zweiten Weltkrieg war gerade der südliche Soonwaldrand wegen seiner vielen Sonnenstunden und dem wenigen Regen ein aufstrebendes Fremdenverkehrsgebiet. Diese Entwicklung wurde in der Nachkriegszeit durch den Bundeswehr Jagdbombergeschwader-Standort Pferdsfeld lautstark unterbrochen. Die Gäste, die mehrheitlich die Stille des Waldes suchten, blieben aus. Über zwanzig Jahre danach kam mit dem endgültigen Abzug des Geschwaders 1997 die Ruhe zurück. Die fast zwanzigjährige Unterbrechung der touristischen Entwicklung hat sicher viele Arbeitsplätze gekostet, aber auch den Soonwald von manchen Fehlentwicklungen der Wirtschaftswunderjahre anderer Erholungsgebiete verschont.

Der Wanderer von heute findet deshalb auf dem Soonwaldsteig Abenteuer, die weder durch unnötige Waldmöblierung der siebziger Jahre, noch durch Kioske und andere touristische Mätzchen beeinträchtigt sind. Dafür fordert der Soonwaldsteig ein wenig mehr Eigeninitiative, wenn es darum geht, den gekennzeichneten Weg zu variieren, oder ihn zu verlassen, um empfehlenswerte Einkehrmöglichkeiten abseits der einsamen Strecke aufzusuchen.

Der Soonwald heute

Heute erleben Besucher aus den nahen Ballungsräumen den Soonwald wie einen wiederentdeckten Schatz, der Erinnerungen an die „guten alten Zeiten“ wachruft, als Wälder noch Wälder waren und keine durchstrukturierten Naherlebnisräume. Der Soonwald bestand bereits vor dem großen Windwurf Wiebke von 1990 zur Hälfte aus Laubholz. Nach der großflächigen Zerstörung der Fichtenbestände durch den Orkan erhöhte sich der Laubholzanteil auf 70%. Im Soonwald entstand in den letzten zwanzig Jahren ein dynamischer Laubwald mit Bäumen aller Altersklassen: eine wahre Freude für jeden Freund der Artenvielfalt und der naturgemäßen Waldwirtschaft. Der Soonwaldsteig erschließt den Soonwald über eine Strecke von immerhin 83 Kilometern zum ersten Mal für Naturliebhaber, denen das Erlebnis des Waldes wichtiger ist, als die Zahl der zurückgelegten Kilometer. Es ist an Angebot an die jungen Genusswanderer, die einerseits das authentische Naturerlebnis suchen und auch eine sportliche Herausforderung wie die Blockmeere nicht scheuen. Der Soonwaldsteig führt deshalb in weiten Teilen seiner Strecke über schmale pfadige Wege durch abseits gelegene dichte Wälder, vorbei an vergessenen Bachtälern, unbekannten Ruinen, magischen Plätzen und überraschenden Naturdenkmälern. Er meidet die breiten Forstwirtschaftswege, die mehr an Angebot an die Radfahrer sind oder dem Wanderer zu sagen, der sich mit Kilometerrekorden schmücken will. Der Soonwaldsteig lässt Platz für Abenteuer und macht überraschende Angebote an die Phantasie, besonders, wenn man es versteht  den Zeichen am Wegesrand ihre Geschichten zu entlocken.

Der Soonwaldsteig in sechs Tagesetappen:

Doch nun zu dem konkreten Verlauf. Der Soonwaldsteig beginnt am Bahnhof der Stadt Kirn an der Nahe und endet am Hauptbahnhof Bingen in Bingerbrück. Er ist rund 83 Kilometer lang. Der Einfachheit halber stelle ich den Soonwaldsteig in sechs Etappen vor. Jede Etappe lässt sich bequem in einem Tag bewältigen.

Erste Etappe: Der Siebenburgenweg
Von Kirn bis Rudolfshaus

Zweite Etappe: Die wilden Bachtäler und der Teufelsfels
Von Rudolfshaus bis ins Simmerbachtal

Dritte Etappe: Der Wald des Jägers aus Kurpfalz
Vom Simmerbachtal zum Wanderparkplatz Ellerspring

Vierte Etappe: Industriegeschichte im Wald
Vom Wanderparkplatz Ellerspring bis zur Rheinböller Hütte

Fünfte Etappe: Der Bingerwald
Von der Rheinböllerhütte bis Jägerhaus

Sechste Etappe: Hinab zum Rheintal
Von Jägerhaus bis Bingen

Erste Etappe: Der Siebenburgenweg

Von Kirn bis Rudolfshaus

Vom Kirner Bahnhof startet der Soonwaldsteig in Richtung Steinkallenfels, einem kleinen Örtchen mit gleich drei Burgruinen. Dieses eindruckvolle Ensemble von zerfallenen Gemäuern, und bizarren bewaldeten Quarzitfelsen gibt gleich am Anfang einen Vorgeschmack auf den Charakter der ganzen Strecke. Die weißlich bis stahlgrau schimmernden Felsformationen und die vergessenen historischen Relikte inmitten waldreicher Natur werden uns auf der ganzen Strecke begleiten. Von Steinkallenfels geht es weiter zum restaurierten Schloss Wartenstein mit seinem naturhistorischen Museum. Danach wandert man beiderseits des weltentrückten Hahnenbachtales durch das kleine Dorf Rudolfshaus zur Schiefergrube Herrenberg mit einem kleinen Fossilienmuseum. Das abgelegene Bachtal, ganz ohne Strassen, wird unter seinen Liebhabern auch das „Schmetterlingstal“ genannt, weil hier im Hochsommer so viele seltene Schmetterlinge zu beobachten sind. Es ist ein Tal voller Geheimnisse und vergessener Geschichten, denen der aufmerksame Wanderer in alten Mauerresten, verschütteten Tunneln und Grubeneingängen nachspüren kann. Für Kinder bietet der lebhafte Hahnenbach vielfältige Spielmöglichkeiten und ein Wasserlehrpfad zusätzliche Abwechslung.

Gleich nebenan findet sich die Altburg: hier siedelten schon vor über 2000 Jahren die Kelten. Auf den Resten einer Burganlage wurde ein Dorf rekonstruiert, das einen Eindruck von den Siedlungen der Kelten vermittelt. Die Altburg ist heute zeitweise bewohnt von Menschen, die den keltische Alltag nachleben. Sie kann man dort treffen und ein Gespräch mit ihnen ist ein Erlebnis. Nach einem steilen Ab- und Aufstieg geht’s weiter zur nahen Ruine der Schmidtburg mit Palas, einer großen mittelalterlichen Burganlage auf einem schroffen Bergsporn hoch über dem Hahnenbachtal. Viele denken, für solch ein Erlebnis muss man nach Schottland reisen. Das ist nicht wahr. Wir haben alles hier. Man muss es nur finden. Eine Begehung der Ruinen der Schmidtburg ist ein unvergessliches Erlebnis. Die Fossilienfundstätte, das Keltendorf und die Burgruine bilden auf kleinem Raum ein unvergleichliches Ensemble historischer Zeugen der Millionen Jahre alten Geschichte dieser Landschaft.

Mein ganz persönlicher Tipp etwas abseits vom Wege:

"Antiquariat Gerlach"
Peter und Heidi Gerlach
Hauptstrasse 12
55758 Sonnschied
Tel: 06785/7055

kein Ruhetag, bitte kurz vorher anrufen

Die nüchterne Bezeichnung "Antiquariat" trifft nicht annähernd die Situation, die man in Sonnschied antrifft. Peter Gerlach und seine Frau Heidi zu treffen ist ein überaus bereicherndes Erlebnis. Er ist ein passionierter Sammler – nicht nur von Büchern - , der eines Tages beschlossen hat, sein Hobby zu seinem Beruf zu machen und sie hat malt kraftvoll und leidenschaftlich. Antiquariat und Atelier liegen einem romantischen alten Backsteinhaus in Sonnschied, einem kleinen Dörfchen hoch über dem Hahnenbachtal, in das man sich normalerweise nicht so leicht verirrt. Das Ehepaar Gerlach empfängt seine Kunden wie Gäste. Nicht ganz unwichtig zu erwähnen: das Preis-Leistungsverhältnis ist im Sonnschieder Antiquariat besonders gut, so dass das Benzingeld für den kleinen Abstecher gut investiert ist. Eine Warnung muss ich jedoch aussprechen: erwarten Sie nicht, daß ein Besuch in Sonnschied eine schnelle Sache ist...

Zweite Etappe: Die wilden Bachtäler und der Teufelsfels

Von Rudolfshaus bis ins Simmerbachtal

Vom Hahnenbachtal führt der Weg unweit von Schneppenbach auf die Bergrücken des Lützelsoons. Nicht weit von der Strecke, auf der Höhe von Woppenroth, liegt die verwunschene Ruine der „Hellkirch“ im Wald. Die nächste Station ist der sagenumwobene Teufelsfels mit einem Aussichtsturm, der einen Panoramablick auf die Hunsrückhöhen im Norden, den Hochwald im Westen, den Großen Soon im Osten und auf den Donnersberg im Süden bietet. Ab hier geht es teilweise über Quarzitblockhalden weiter, vorbei an blickfelderweiternden Aussichten in das Nahebergland zum sogenannten „Blickenstein“. Hier laden gewachsene Felsen als natürliche Bänke zum Verweilen ein und belohnen den Wanderer mit einem Ausblick auf das Kellenbachtal bis weit in die Pfalz hinein. Danach folgt durch verzaubernde Laubmischwälder der Abstieg ins Simmerbachtal (weiter unterhalb Kellenbachtal genannt). 

Mein ganz persönlicher Tipp etwas abseits vom Wege:

Campingplatz  Haumühle
Haumühle
55618 Simmertal
Tel: 0171/5414330

Ich bin zwar kein Fan von Campingplätzen, aber diese Adresse im Kellenbachtal ist wirklich geeignet, Vorurteile zu überdenken. Die „Räuberhöhle“ auf dem Campingplatz ist wahrscheinlich das einzige Restaurant im Soonwald, das keinen Ruhetag kennt und in dem man den ganzen Tag über etwas Warmes zu essen bekommt. Das neue Gasthaus überrascht mit seinem Geschichtsbewusstsein. Überall findet man Bilder und steingewordene Zitate zur Geschichte unserer Heimat. Im Sommer sitzt man unter einem alten Apfelbaum. Außerdem ist die überraschend unverkrampfte Bedienung immer für eine Überraschung gut.

Dritte Etappe: Der Wald des Jägers aus Kurpfalz

Vom Simmerbachtal zum Wanderparkplatz Ellerspring

Nach der neuen Holz-Brücke über den Simmerbach bei Gehlweiler folgt eine der größten Herausforderungen der Strecke: ein Steilhang mit Quarzitsteinblöcken, auch „Blockmeer“ genannt. Das ist ein Streckenabschnitt für geübte Wanderer mit gutem Schuhwerk. Unter Umgehung des Steinbruchs Henau führt der Weg zur Burgruine Koppenstein. Vorbei an den Gipfelquarziten des Soonwaldes fällt der Blick bald auf die Burgruine mit ihrem markanten fünfeckigen Bergfried. Die Reste der Burganlage Koppenstein werden von den Soonwäldern als das Symbol ihrer Landschaft verehrt: „Des Hunsrücks Wahrzeichen sollst du sein, du grauer trutziger Koppenstein.“ (Röhrig, Liederbuch) Der gut erhaltene Turm lädt zum Aufstieg ein. Die Aussicht von dort oben darf man sich auf keinen Fall entgehen lassen. Eine Stahlplatte mit den Himmelsrichtungen und Ortsnamen hilft bei der Orientierung. Hier oben kann man sich gut vorstellen, wie die die Sponheimer Grafen die Verbindungswege zwischen ihren Kreuznacher- und Moselbesitzungen bewachten. Vor dem Turm ruht der berühmte „Wackelstein“, ein riesiger Quarzitbrocken, der auf der schiefen Ebene seiner schmalen Unterlage zu schweben scheint. Für mich ist er ein Symbol der Balance in fragiler Lage; ein Gleichnis für die Kunst des Lebens. Weiter führt der Weg in das Asbachtal. Danach kommt man in das Herzstück des Soonwaldes, in die Waldeinsamkeit des „Großen Soon“ mit Quarzithöhenrücken und verwunschenen Relikten der Vergangenheit. Das erste Ziel im Staatswald des Forstamtes Soonwald ist der Alteburgturm. Um den Turmbau aus dem vorletzten Jahrhundert finden sich im Wald Reste von Ringwällen und Steinwälle. Kein Schild weist darauf hin. Aber mit etwas Zeit und einem sorgfältigen Blick kann man sie in der Umgebung des Alteburgturms auch als Laie entdecken. Die Experten streiten sich über den historischen Hintergrund dieser Steinformationen. Grabungen haben bisher noch keine stattgefunden. Einige Wissenschaftler halten die Reste für keltischen, andere für mittelalterlichen Ursprungs. Der Streit darüber ist unentschieden. Am Alteburgturm findet sich ein Metallrelief des früher hier zuständigen Försters Mathias Bollinger. Es erinnert daran, dass dieser in der Nähe des Turms im Alter von 101 Jahren seinen letzten Hirsch geschossen hat. Zwei Jahre später ging er selbst in die „ewigen Jagdgründe“ ein. Es erinnert daran, wie vorbildhaft immer wieder große Försterpersönlichkeiten für die Menschen am und im Soonwald waren.  Hier im Zentrum des großen Soons ist man fern der Welt mit ihren Zivilisationsgeräuschen. Manchmal erinnert ein Flugzeug in großer Höhe an die nahen Ballungsräume. Ansonsten herrscht hier die Stille, betont noch durch die Geräusche des Windes in den Blättern der alten Buchen und den plötzlichen Ruf der Vögel. Vom Alteburgturm führt der Soonwaldsteig durch gepflegte alte Buchenbestände, auch „Buchendome“ genannt, auf einem schmalen Pfad parallel zum Rennweg bis zum Wanderparkplatz Ellerspring an der L 108. 

Meine ganz persönlichen Tipps etwas abseits vom Wege:

"Fruchtkellerei Merg"
Rolf Merg
Lindenstraße 4
55595 Gebroth
Tel: 06756/605 Fax: 06756/490
kein Ruhetag

Die Fruchtkellerei der Familie Merg ist kein üblicher "Saftladen". Ganz im Gegenteil. Wer im kleinen Dörfchen Gebroth durch die enge Gasse auf den Hof fährt, der fühlt sich, als sei er bei Verwandten auf dem Lande angekommen. Unter einem Obstbaum steht die selbstgebaute Birkenholzbank und die Kaninchen schauen zufrieden aus ihrem Stall. Sofort kommen Frau oder Herr Merg senior, fast ist man versucht zu sagen, Oma Merg oder Opa Merg, auf die Gäste zu, und führen sie in einen einfachen Verkaufsraum in dem Säfte, Fruchtweine, Schnäpse, Gelees und Marmeladen zur Verkostung auf einem kleinen Tischchen bereit stehen. Die nächste Generation hat ein neues Geschäft im Dorf eröffnet, doch auch die alte Adresse bleibt bestehen. Dieses Angebot sollte man unbedingt nutzen, denn ohne eigene Erfahrung kann man wirklich nicht ahnen, welche Aromen die urigen und gesunden (bioaktiven Substanzen!) Wildsäfte aus dem Soonwald bereithalten. Hier finden sie zu ganz kleinen Preisen die perfekten Mitbringseln vom Soonwaldsteig, zum Beispiel den Waldbeerensaft oder das Tannenspitzengelee.

Auch eine ganz und gar nicht gewöhnliche kulinarische Adresse ist der 

„Imbiss zum Märchenprinzen“
Erk und Irmgard Saueressig
Wanderparkplatz
55595  Kreershäuschen
Nur an Sonn-und Feiertagen ganztägig geöffnet

Allein der Name "Imbiss zum Märchenprinzen" sollte schon stutzig machen. Dies ist nicht einfach eine profane Pommes-Bude mit vorgefertigten Produkten: dies ist ein wahr gemachter Lebenstraum. Irmgard Saueressig hat sich in ihren zehn Jahre jüngeren „Märchenprinzen“ Erk in einem Alter verliebt und geheiratet, in dem andere die Rente einreichen. Jeden Sonntag des Jahres kommen sie - bei Wind und Wetter - zum Wanderparkplatz Kreeshäuschen, um diesen Platz in eine gastliche Oase zu verwandeln. Ihr Temperament, ihre Herzlichkeit und ihr ansteckender Humor haben ihnen zu einer bunt gemischten Stammkundschaft verholfen. Hier treffen sich Ärzte, Anwälte und Jagdpächter mit teuren Geländewagen genauso wie Motoradfreaks, alleinerziehende Mütter und Lebenskünstler aller Art. Das Angebot: Rumpsteak mit Bratkartoffel, aber auch u.a. - im Mai Mai-Bowle und im Herbst Federweißer mit Zwiebelkuchen Alles frisch und aus eigener Küche. Das ist schon einen kleinen Umweg wert.

Vierte Etappe: Industriegeschichte im Wald

Vom Wanderparkplatz Ellerspring bis zur Rheinböller Hütte

Die vierte Etappe führt zunächst in sanftem Anstieg zur Höhe Ellerspringkopf. Er ist mit 657 Metern der höchste Berg des Soonwaldes. Hier, im ehemaligen Jagdgebiet des „Jägers aus Kurpfalz“, fanden in den 50ziger und 60ziger Jahren die berühmten Diplomatenjagden der damaligen Bonner Bundesregierung statt. Der wildreiche Große Soon gilt auch heute noch als attraktives Jagdgebiet, vor allem für Rotwild. Der umsichtige Wanderer hat gute Chancen auch andere Wildtiere, wie Rehe, Füchse oder auch Schwarzwild beobachten zu können. Der Abstieg vom Ellerspringkopf führt ins Quellgebiet der beiden Bäche Gräfenbach und Lametbach. Hier scheiden sich die Wege des Wassers. Der Gräfenbach fließt nach Süden in Richtung Nahetal, der Lametbach nach Nordwesten in Richtung vorderer Hunsrück. Entlang des Gräfenbaches führt der Weg weiter zu den „Glashütter Wiesen“, einer großen Freifläche im Wald, die von herrlichen alten Eichenbeständen geprägt ist. Solche Waldwiesen sind typisch für den Soonwald. Sie sind Relikte aus der Zeit des Hutewaldes, als das Vieh noch in den Wald getrieben wurde und der Zeit der frühen industriellen Nutzung des Soonwaldes durch Köhler und Hüttenbetriebe. Auf den „Glashütter Wiesen“ stand früher eine Glashütte, die Pottasche von den Köhlern im Soonwald bezog. Die alten Siedlungen im Wald und die Schmelzen sind heute Wüstungen. Zurückgeblieben sind die zauberhaften Wiesen, die sich im Mai mit blühenden Orchideen schmücken und im Herbst im zarten Lila der Herbstzeitlosen versinken. Hier kann das Wild ungestört äsen. Nicht weit davon entfernt, im Süden liegt die „Gräfenbacher Hütte“ mit den Resten eines alten Hochofens, in dem das Hunsrückerz verhüttet wurde. Der Gräfenbach sorgte für Wasserkraft, die Soonwald-Köhler brachten die Holzkohle und tief in der Erde lag das Erz. Die grossen Magazine in den heute leerstehenden Gebäuden und die Rundbögen im Fels zeugen noch von der  Bedeutung dieser Anlage. Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg bevorzugte diesen Platz jahrelang als seine Jagdadresse. Danach geht es am Naturschutzgebiet Schwabbelbruch vorbei wieder hoch zum Wanderparkplatz an der L 242 und weiter zur Höhe Schanzerkopf, wo man im Winter Schlitten- und Skifahren kann. Der Pfad bergab führt dann durch einen urwüchsigen Laubwald mit alten Buchenbeständen und seinem jungem Nachwuchs. Anschließend überquert man die L 239 und geht fast ununterbrochen über den nördlichen Soonwaldkamm bis zum Berg Hochsteinchen mit dem Aussichtsturm aus Eisen. Hier öffnet sich der Blick nach Nordosten über den Teil des Hunsrücks, der zum Rhein hin abfällt. Im Osten sieht man von hier aus die Höhenzüge des Taunus. Nach einem steilen Abstieg kommt man zur „Rheinböller Hütte“ und zum Guldenbach.

Mein ganz persönlicher Tipp etwas abseits vom Wege:

Hofwirtschaft Webersmühle
Werner Zuck
Soonwaldstrassse 55
55595 Argenschwang
Tel: 06706/8228
Geöffnet: Donnerstag bis Sonntag ab 18:00 Uhr 

Werner Zuck kocht leidenschaftlich gern; am liebsten die Rezepte seiner Mutter. Sein kleines Restaurant im umgebauten Stall zwischen Münchwald und Argenschwang ist der Lieblingstreff der Soonwaldfans. Der Tisch rechts von der Eingangstür ist für diejenigen reserviert, die nicht kontaktscheu sind und gerne ein gutes Gespräch beim ebenso guten Wein führen.

Gut Marienborn, 55444 Seibersbach, Tel.: 06724/602310

Auch der Milchhof Soonwald ist ein Besuch wert, Er liegt etwa 4 km außerhalb des Ortes Seibersbach. Die Familie Bange bewirtschaftet den Hof mit Milchkühen in der zweiten Generation. Seit dem Frühjahr 2007 produzieren sie in der eigenen Hofmolkerei Joghurt und homogenisierte Milch. Einfach köstlich!

Fünfte Etappe: Der Bingerwald

Von der Rheinböllerhütte bis Jägerhaus

Von der Rheinböllerhütte aus unterquert man die Autobahn A 61 und gelangt in den dritten Teil des Soonwaldes, den Binger Wald. Hier kommt der Genusswanderer endlich voll auf seine Kosten, denn die gute Gastronomie muss man hier nicht länger suchen, wie die berühmte Nadel im Heuhaufen. Im Gegenteil, dieser Abschnitt des Weges erfreut mit guter Gastronomie in alten Forsthäusern und grandiosen Ausblicken ins Rheintal. Die nächste Station am Wege ist das Gasthaus „Emmerichshütte“ mit seinen regionaltypischen Spezialitäten. Der Bingerwald hat durch die Nähe zum Rheintal im Wandertourismus eine solide Tradition und natürlich auch etwas Vorsprung gegenüber dem Großen Soon. Davon künden etliche gastronomische Betriebe mitten im Wald. Die meisten von ihnen sind ehemalige Forsthäuser, wie auch die „Emmerichshütte“. Von hier aus geht es weiter auf die Höhe des Kandrich. Dort erwartet uns ein Windpark mit mehreren großen Windkraftanlagen. Mir reicht das eigentlich im Soonwald, denn meiner Meinung nach sollten Windkraftanlagen an geeigneten Standorten als Parks gebaut werden und nicht in wertvolle Buchenwaldbestände. An einen Weg der Stille gehören sie ganz sicher nicht. Kurz darauf wird der Ohligsberg erreicht, von wo aus man zum ersten Mal einen Blick ins nahe Rheintal werfen kann. Unweit vom Ohligsberg trifft der Soonwaldsteig auf den linksrheinisch verlaufenden Rheinhöhenweg. Das nächste Ziel ist die „Lauschhütte“, ebenfalls ein stilsicher umgebautes Forsthaus mit guter Küche und verschiedenen Freizeitangeboten. Kinder und Jugendliche finden hier einen  Hochseilgarten und eine Kunsteisbahn für die Wintersaison. Das nächste Ziel ist der Aussichtsturm auf dem Salzkopf, der vorübergehend leider geschlossen ist. Danach geht es abwärts in das Quellgebiet des Morgenbachs und weiter zum Gasthaus „Jägerhaus“; auch dies eine Adresse mit guter Küche. 

Mein persönlicher Tipp am Weg:

Die „Lauschhütte“

Die Geschichte der Lauschhütte reicht bis ins 18. Jahrhundert  zurück.

Damals war die Lauschhütte eine Unterkunft und Aufenthaltsort für Waldarbeiter. Immer wieder wurde die Lauschhütte im letzten Jahrhundert an-, aus- und umgebaut, als Forsthaus und als Waldgaststätte. Heute ist sie eine einfühlsam restaurierte Adresse mit viel Atmosphäre für Wanderer.

Sechste Etappe: Hinab zum Rheintal

Von Jägerhaus bis Bingen

Kurz hinter dem Gasthaus bietet der Soonwaldsteig einen neuen landschaftlichen Höhepunkt. Wir kommen in das tief eingeschnittene Morgenbachtal mit seinen steil abfallenden Felspartien, die auch gerne von Kletterern aufgesucht werden. Der Soonwaldsteig nähert sich hier dem Rheintal und es ist für den Waldwanderer ein beglückendes Erlebnis, wenn sich plötzlich nach einer Wegbiegung der Blick auf den breiten Strom in der Tiefe auftut. Auf den Rheinhöhen oberhalb von Trechtingshausen bietet die Burg Reichenstein ein Museum, in dem man einiges zur Geschichte des Soonwaldes als wichtigen Eisenhüttenstandort erfahren kann. Weiter führt der Weg über den Eselssteig, der auch zum beliebten „Burgenweg“ gehört. Die Felsvorsprünge auf dieser Strecke gleichen Kanzeln von denen man den Rhein aus ungewohnten Perspektiven genießen kann. Über die Burg Rheinstein gelangt man zum „Schweizer Haus“. Auch hier bietet sich ein spektakulärer Ausblick auf den Rheindurchbruch zwischen Taunus und Hunsrück. Der weitere Verlauf des Soonwaldsteiges führt auf halber Höhe des Binger Waldes zum Gasthaus „Heilig Kreuz“ und von dort zum Aussichtspunkt „Prinzenblick“. Von hier aus überblickt man den Rheinverlauf zwischen Rheingau und dem Rochusberg bei Bingen. Beim Blick steil nach unten sieht man das „Binger Loch“, die ehedem gefürchtete, felsenreiche Strompassage im Rhein. In Serpentinen führt der Weg dann weiter vorbei an der Binger Jugendherberge hinab nach Bingen. Von hier aus kann man schließlich mit der Fähre Bingen-Rüdesheim auf der anderen Rheinseite den Premiumweg Rheinsteig erreichen. Über ihn lässt sich auch viel Gutes berichten – nicht aber, dass er besonders ruhig wäre… 

Die Stille, die den Wanderer des Soonwaldsteiges über 80 Kilometer begleitet hat, geht hier, im geschäftigen Treiben auf Strom, Schiene und Strasse des Mittelrheintales verloren. 

Der Soonwald jedoch wird seine weltabgeschiedene Ruhe nicht so schnell verlieren. Dafür lieben wir ihn. 

Ich kann nur warnen. Der Soonwald ist eine große Liebe – auf den zweiten Blick.

 

 

Weiterführende Infos zum SOONWALDSTEIG finden Sie auch unter

www.soonwald-nahe.de
www.naheland.net

Kartenmaterial/Prospekt erhältlich über 

Naturpark Soonwald-Nahe, Telefon 0671-803370
Naheland-Touristik GmbH, Telefon 06752-137610


die Initiative Soonwald e.V. veranstaltet in lockerer Folge Wanderungen auf einzelnen Teilstrecken des Soonwaldsteiges unter Fuehrung von Hansjochen Staege. Sie sind herzlich eingeladen. Nichtmitglieder sind uns immer willkommen.

Der Soonwaldsteig bietet immer wieder überraschende Weitblicke, die zum Verweilen einladen, wie hier am Blickenstein in Richtung Donnersberg.


Charakteristisch für den Soonwald sind die Quarzitrücken und Blockmeere, die oft bizarre Anblicke bieten, wie hier oberhalb des Steinbruchs Henau.


Unser Vorsitzender der Initiative Soonwald, Hansjochen Staege, am Blickenstein auf dem neuen Soonwaldsteig.

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