Offener Brief an die Kreisverwaltung Bad Kreuznach

Bestürzt nehmen wir die erneute Genehmigung ihrer Denkmalschutzbehörde zum Bau einer Windkraftanlage in unmittelbarer Nähe (ca. 500 Meter) der denkmalgeschützten Kirche Eckweiler zur Kenntnis. Ihre Behörde - zuständig für den Vollzug des Denkmalschutzgesetzes – hat trotz umfangreicher Dokumentation der Entwicklung des betroffenen denkmalgeschützten Ortes seit 2006 und damit neuer Sachlage die Chance nicht wahrgenommen, die großtechnische Anlage im Kraftfeld der Erinnerungsstätte zu verhindern.

Betroffen fragen wir uns, welche Interessen eine Behörde, die über die Würde der Orte wacht und für kulturelles Erbe und Identität zuständig ist, zu solcher einer Entscheidung treibt?

Wir halten die Entscheidung gerade aus Gründen des Denkmalschutzes für falsch.

Laut Denkmalschutzgesetz des Landes Rheinland-Pfalz ist es die Aufgabe des Denkmalschutzes „Kulturdenkmäler (§ 3) zu erhalten und zu pflegen, insbesondere deren Zustand zu überwachen, Gefahren von ihnen abzuwenden und sie zu bergen." Die Ausstrahlung der Kirche von Eckweiler, der „Kirche ohne Dorf“ gründet im Kern in ihrer Lage: der Alleinlage in der Wüstung. Sie ist das entscheidende Merkmal. Mit einer nahen WKA wird das Gesamterscheinungsbild des Denkmals zerstört und damit auch seine Kraft als Zeugnis deutscher Nachkriegsgeschichte.

Besorgt fragen wir uns jetzt nach den Folgen dieser Entscheidung und wie wir mit ihr umgehen sollen.

Wir befürchten, dass mit dem Bau der WKA die „Kirche ohne Dorf“ ihre Anziehungskraft und ihre Strahlkraft als sensible Erinnerungsstätte einbüßt.

Wir befürchten, dass sich das umfangreiche Engagement der ehrenamtlich Tätigen für Pflege und Erhalt der Kirche und ihrer Umgebung nicht weiter aufrechterhalten lässt.

Wir befürchten, dass die zahlreichen erfolgreichen Bemühungen von Institutionen  -auch von Seiten der Kreisverwaltung -, Vereinen und Einzelpersonen, die Kirche Eckweiler zu einem besonderen Anziehungspunkt für Besucher zu machen, massiv beeinträchtigt werden.

Wir befürchten, das die umfangreichen Investionen der öffentlichen Hand, den Wert des Ortes der Stille und Erholung zu erhöhen (zwei Premiumwanderwege, Bau einer Schutzhütte, Pflege der ehemaligen Ortslage, geplanter See als Feuchtbiotop) zunichte gemacht werden.

Wir fragen uns deshalb ganz grundsätzlich:

Welchem Leitbild folgt eine solche Entscheidung? Wohin wollen wir unsere Heimat im Landkreis entwickeln? Was ist die gemeinsame Zielvorstellung? Wie wollen wir erfolgreich sein, wenn die eine Hand einreißt, was die andere in Jahren aufgebaut hat?

Auf diese Fragen hätten wir gerne eine Antwort.
Wir behalten uns weitete Aktivitäten in dieser Sache vor.


Der Vorstand der Initiative Soonwald:

Albert Schauß, Roxheim, Sprecher der Gruppe „Freundeskreis Eckweilerer Kirche“
Ehrenvorsitzender Hansjochen Staege, Winterbach-Kreershäuschen
Matthias Heinl, Winterbach
Monika Kirschner, Stromberg
Eveline Mehler, Holzbach
Hilde Schmitt, Wallhausen
Karin Ochel-Spies, Riesweiler
Bernd-Uwe Philippi, Seesbach
Helmut Pleyer, Gemünden
Ortwin Bauer, Seesbach

Stromberg, den 03. März 2017

 

 

Reaktion der Initiative Soonwald e.V. auf das Protokoll der Kreisverwaltung Bad Kreuznach vom 19.12.2016 „Vollzug des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchG)
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