Hagebutten

Stachelige Vitaminspeicher

andere Namen
Lat: Rosa canina und ihre vielen Verwandten

Volksnamen: Hundsrose, Heckenrose, Hagdorn, Wilde Rose, Dornröschen

Verwendbare Pflanzenteile
Blüten und Scheinfrüchte

Botanik
Es gibt eine Unzahl von Wildrosen und genauso vielfältig sind ihre Blüten und Früchte. Am häufigsten trifft man auf die Hundsrose, die Rosa canina, deren Strauch bis zu fünf Metern hoch wird. Im Juni erscheinen die zarten blassrosa oder weißen Blüten mit ihrem feinen Duft. Ab September reifen die leuchtend roten Früchte, die Hagebutten. Andere einheimische Arten sind die Blaugrüne Rose, die Lederrose, die Stumpfblättrige Rose, die Buschrose, die Weinrose, die Feldrose, die Keilblättrige Rose, die Kleinblütige Rose, die Filzrose, die Kratzrose, die Apfelrose, die Rauhblättrige Rose, die Rotblättrige Rose, die Zimtrose, die Alpenheckenrose, die Bibernellrose, die Kriechrose, die Blaßrote Kriechrose, die Essigrose und die Kartoffelrose. Ausgerechnet die Kartoffelrose wird besonders häufig an öffentlichen Plätzen angepflanzt. Der Grund dafür sind wahrscheinlich ihre besonders große Blüte und die dicken Früchte. 
Doch das sind auch schon die einzigen Vorteile. Das ist sehr verwunderlich, da unter allen genannten Arten nur die Kartoffelrose keine einheimische Art ist und aus Nordamerika eingebürgert wurde. Ihre harten Blätter können von den meisten einheimischen Insekten gar nicht benagt werden.

Wildrosen lieben einen sonnigen Standort. Ansonsten sind sie äußerst genügsam. Sie finden sich auch auf steinigem Grund und klettern bis zu 1600 Metern hoch. Sie bevorzugt kalkhaltigen Boden. Alle unsere Gartenrosen stammen von Wildrosen ab. Sie sind Zuchtformen, die bei weitem nicht die Gesundheit und Widerstandsfähigkeit ihre wilden Verwandten haben. 
Die einheimischen Wildrosen stehen auf der Hitliste der Futtersträucher für Insekten ganz oben, genau auf Platz 5. In der Summe finden 103 Kleinlebewesen im Wildrosenstrauch Nahrung, davon allein 31 Kleinschmetterlinge. Auch bei den Wildbienen sind die Rosen beliebt, so wird die Hundsrose von 10 verschiedenen Wildbienenarten besucht. In der Hitparade der Futtersträucher für Vögel liegen die Wildrosen auf Platz 11 mit 27 Vogelarten.

Doppelgänger
Die Kartoffelrose hat dicke fleischige Hagebutten Sie wird häufig in Parkanlagen gesetzt, ist aber keine einheimische Art. Eine Verwechslung ist unproblematisch, da auch sei genießbar ist.

Geschichte und Mythos
Im alten Volksglauben schützen alle Dornsträucher und so auch die stacheligen Zweige der Wildrose vor Verzauberung. Gegen die Verhexung des Viehs wurden Wildrosenzweige an Stalltüren und Fenster genagelt. Wie die Wildrosen selber sollen auch ihre Früchte, die Hagebutten gegen Zauber wirken. Als Mittel gegen Hexen vergräbt man unter der Türschwelle ein Hagebutte. Als besonders Hilfe gegen Unfälle und Krankheiten im bevorstehenden Jahr wirkt das nüchterne Verzehren von drei Hagebutten am Weihnachtsabend, am Silvesterabend und am Neujahrstag. Auch dem Vieh wurden an Weihnachten und Neujahr Hagebutten ins Futter gegeben. Wenn es im Herbst viele Hagebutten gibt, soll ein harter Winter folgen. Dasselbe wurde auch von Brombeeren, Ebereschen und Weißdorn gesagt. 

Wirkung
Hagebutten sind wahre Vitaminbomben. Außer ihrem besonders hohem Anteil an Vitamin C enthalten sie noch die Vitamine A,B, E und K sowie wertvolle Fruchtsäuren und Spurenelemente. 

Ernte und Kulinarisches
Die Hagebutten kann man frühestens im Oktober ernten, vorher sind sie noch zu hart und nur äußerst mühsam zu verarbeiten. Man kann also getrost den Winter abwarten und sie vielleicht sogar noch beim ersten Spaziergang im Schnee Hagebutten ernten.

Küchentipps
Für viele Rezepte mit Hagebutten braucht man zunächst einmal das Hagebuttenmark. Früher sagten die Leute: „Täglich einen Eßlöffel Hagebuttenmus und die Erkältung kommt erst gar nicht ins Haus.“ Das Mark ist eine Basis für viele Rezepte und lässt sich gut aufheben. Dazu sammelt man die Hagebutten im Oktober oder November vor dem ersten Frost. Sie sollten richtig reif sein, das heißt, schon ein ganz kleines bisschen weich. Die frischen Früchte werden von Stielen und Blättern befreit und mit einem scharfen Messer geteilt. Dann kratzt man mit einem scharfkantigen Kaffeelöffel die Kerne aus den Fruchthüllen. Diese werden dann nochmals gewaschen und von feinen Härchen befreit. Die Fruchthüllen lässt man dann eine Nacht knapp mit Wasser bedeckt stehen und kocht sie dann am nächsten Tag  etwa 30 Minuten bis sie weich sind. Nun lässt sich die Masse durch eine Flotte Lotte oder auch Passevit genannt passieren oder mit einem Holzlöffel durch ein stabiles Sieb streichen. 

BU: Im Herbst braucht man für die wilde Küche eine Flotte Lotte.
Eine neue Flotte Lotte ist nicht ganz billig. Manchmal hat man die Gelegenheit ein noch funktionsfähiges gerät beim Trödler oder auf dem Flohmarkt zu erstehen.
Das Hagebuttenmark ist fertig. Es kann so eingefroren werden oder nochmals aufgekocht heiß in saubere Schraub- oder Twist Off Gläser gefüllt werden. 

Rezept
Hagebuttenmarmelade mit Äpfeln „Herbstsonne“
klassisch

Eine Marmelade, die durch ihren köstlichen süßherben Geschmack auch Marmeladenmuffel überzeugt. Die Zutaten sind so preiswert, dass man beim Wein nicht sparen braucht.

1 1/2 kg Hagebutten
750 g Äpfel
200 ml tockener, fruchtiger deutscher Rotwein
100 ml Rotwein
1,2 kg Zucker

Die Hagebutten gründlich waschen, von den Blättern und Stielen befreien und zerteilen. Die Kerne aus den Früchten herausschaben. Einfacher ist es, die ganzen Hagebutten mit dem Schneidstab (Zauberstab) zu grob zerkleinern. Die Äpfel mit einer Reibe grob raffeln. Die Früchte zusammen mit dem Wasser, dem Rotwein und dem Zucker eine gute halbe Stunde kochen. Dann durch ein stabiles Sieb streichen oder durch eine Flotte Lotte und nochmals aufkochen. Heiße Masse in ein vorher mit siedendem Wasser ausgespültes Schraubglas geben und verschleißen. Glas für etwa 2 Minuten umdrehen. Die Marmelade dickt von selbst im Glas nach.

Hagebuttenmarmelade mit Äpfeln, „Herbstsonne“
à la Hobbythek

2 TL Äpfelsäure
4 geh. TL Apfelpektin HVM
400 g Zucker
500 g Hagebutten
250 g Äpfel
200 ml Wasser
100 ml Rotwein

Äpfelsäure und Pektin mit drei Esslöffeln Zucker vermengen. Die Hagebutten gründlich waschen, von den Blättern und Stielen befreien und zerteilen. Die Kerne aus den Früchten herausschaben. Einfacher ist es, die ganzen Hagebutten mit dem Schneidstab (Zauberstab) zu grob zerkleinern Die Äpfel mit einer Reibe grob raffeln. Die Früchte zusammen mit dem Wasser, dem Rotwein und dem Zucker eine gute halbe Stunde kochen. Dann durch ein stabiles Sieb streichen oder durch eine Flotte Lotte streichen. Nochmals vorsichtig aufwallen lassen. Zuckermischung zugeben und nochmals aufkochen. Heiße Masse in ein vorher mit siedendem Wasser ausgespültes Schraubglas geben und verschleißen. Glas für etwa 2 Minuten umdrehen. Die Marmelade dickt im Glas von selbst nach.

Die wilde Küche aus dem Soonwald steckt voller gesunder bioaktiver Substanzen. Es genügen schon ein paar Wildkräuter-Blättchen, zum Beispiel Sauerampfer. Das ersetzt manche Pille aus der Apotheke.

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