Schlehe

Die Zauberpflanze

andere Namen
Lat: Prunus spinosa, (Rosaceae, Rosengewächse)

Volksnamen: Schlehdorn, Schwarzdorn, Heckendorn, Hagedorn, Bockbeerli

Der deutsche Name Schlehe , verwandt mit dem altslawischen „sliva“, das sich noch im Slivovitz, dem Pflaumenschnaps wiederfindet kommt aus dem althochdeutschen „sleha“
Engl. Blackthorn
Franz. Prunelle

Verwendbare Pflanzenteile
Blüten, Früchte, Blätter

Botanik
Dorniger bewehrter Strauch, der mit seinen spitzen Dornen undurchdringliche Hecken bildet, genügsam und widerstandsfähig, gehört, was viele nicht wissen zur großen Familie der Rosengewächse, der Roasceaen, zu denen neben der Rose als Namesgeberin auch alle Steinobstarten zählen, wie Süßkirschen, Pflaume, Aprikose und Pfirsich. Die Schlehe stammt urspünglich aus unseren Breiten, Mitteleuropa, hat sich aber nach Asien und Nordamerika ausgebreitet. der bereits Ende März, Anfang April vor dem Blätteraustrieb mit Blüten übersät ist. Die kurzlebigen Blüten produzieren reichlich Nektar für viele Insekten. Die Früchte reifen im Oktober und sind vor der Vollreife weder für Mensch noch für Tiere attraktiv. Erst der Frost macht sie genießbar. Das Fruchtfleisch löst sich nur schwer vom Kern. Die Früchte sind sehr sauer und haben einen hohen Gerbstoffgehalt. Wahrscheinlich ist die Schlehe der wilde Vorfahre unserer Pflaumen und Zwetschgen. 

Die Schlehe leibt lichte vollsonnige trockene Waldränder und Berghänge. Sie bildet sehr schnell und bildet irgendwann ein schier undurchdringliches Dickicht. Man findet sie in Nachbarschaft mit Wildrosen, Berberitze, Schneeball und Ginster. Früher pflanze man Schlehen als wehrhaften Zaun. Das würde auch heute noch Sinn machen, denn eine Schlehenhecke bietet Schutz und Nahrung nicht nur für Menschen , sondern auch für Vögel und Schmetterlinge anderen zahllosen Tierarten. Thujahecken dagegen nicht. Die einheimische Schlehe steht auf der Hitliste der Futtersträucher für Insekten ganz oben, genau auf Platz 3, gleich hinter der Salweide und dem Weissdorn. In der Summe finden 137 Kleinlebewesen im Schlehenbusch Nahrung, davon allein 73 Kleinschmetterlinge. Auch 18 Wildbienenarten finden Gefallen an der Schlehe. An der heimischen Schlehe läßt sich auch gut zeigen wie sich die Verwendung exotischer Gehölze im vergleich zu ihrer heimischen Verwandtschaft auswirkt: während bei der Schlehe 20 Vogelarten Nahrung finden, können mit dem beliebten exotischen Gehölz, dem immergrünen Kaukasus-Kirschlorbeer nur drei unserer Vogelarten was anfangen.

Doppelgänger
Verwechslungen sind vielleicht mit verwilderte Pflaumen oder auch mit dem blühenden Weißdorn möglich. Aber im Gegensatz zur Schlehe blüht der Weissdorn erst wenn auch die ersten grünen Blättern am Strauch sind. Die Schlehe blüht bevor ihre Blätter erscheinen. Alle Verwechslungsmöglichkeiten sind harmlos, da es sich nur um andere eßbare Arten handelt.

Geschichte und Mythos
Funde belegen, dass die Früchte der Schlehe auch schon in vorgeschichtlichen Zeiten gesammelt und verzehrt wurden. Bei Ausgrabungen aus der Jungsteinzeit fand man Unmengen von Schlehenkernen. Das bedeutet das unsere Vorfahren seit Jahrtausenden Schlehen gegessen haben. 

Unreife Schlehen hat man früher zum Schwarzfärben von Wolle verwendet. Man kaute getrocknete Schlehen um den Speichelfluß zu fördern. Dies war eine große Hilfe für die Spinnerinnen, die ihre Finger immer wieder mit Speichel befeuchten mussten, um weiter spinnen zu können. Nur so glitt der Wollfaden gut durch die Finger. Wie alle Dornsträucher galt auch der Schlehdorn als Abwehrstrauch gegen das Böse. Am Walpurgisabend hefteten die Bauern Schlehdornzeige an die Stalltüre, um den Hexen den Einlass zu verwehren. Gerede im Frühjahr, wenn die Schlehe wie in einer Wolke aus Blüten da steht, soll sie besondere Kraft haben. In Böhmen glaubte man, dass man mit den ersten Blüten Flöhe aus den Betten vertreiben kann. Schlehenblüten in Milch aufgekocht galten als Mittel gegen zu viele Sommersprossen. Ißt man die ersten drei Schlehdornblüten, die man im Frühjahr sieht, dann ist man das ganze Jahr vor Sodbrennen geschützt. Bricht man vom blühenden Schlehdorn einen Dorn und reibt damit das Zahnfleisch verschwinden die Zahnschmerzen. Am Abend vor St. Martin soll man Schlehdornzweige auf die Blumenbeete legen um die Blüten vor Frost zu schützen.

Nach einer schwäbischen Legende entstand aus einem Schlehdorn die Dornenkrone Christi, daher schlägt auch kein Blitz in den Strauch ein und bei Gewitter ist man unter ihm sicher.

Inhaltsstoffe
Früchte:
organische Säuren
Gerbstoffe
Bitterstoffe
Vitamin C
im Kern: Blausäuregylkoside, 
Blüten:
Flavonoide
Amygdalin
Cumarinderivate

Wirkung
Der Kern der Schlehe ist blausäurehaltig. Das klingt zunächst mal sehr gefährlich. In Maßen genossen ist der Blausäureanteil jedoch unbedenklich, doch sollte man nicht unbedingt die Kerne zerbeißen. Die Blausäure verleiht dem Schlehenlikör das bittermandelartige Aroma. Schlehen wirken „adstringierend“, das heißt zusammenziehend. Das ist die Ursache für eine Fülle weiterer Wirkungen: sie sind harntreibend, leicht abführend, entzündungshemmend und appetitanregend.

Schlehen sind nicht für einen Verzehr in größeren Mengen geeignet. Roh verursachen sie Magen- und Darmbeschwerden. Aber eine Gefahr der Überdosierung besteht schon deshalb nicht, weil die Ernte so mühsam ist und ihr Geschmack so extrem sauer. Schlehen helfen gegen Appetitlosigkeit und leichten Durchfall. Sie wirken allgemein kräftigend. Die weißen kleinen Blüten der Schlehe sind wahrscheinlich eines der ältesten Naturheilmittel überhaupt. Man sammelt die zarten Blüten vorsichtig und trocknet sie in einem warmen Raum. Für eine Tasse Tee braucht einen Teelöffel Blüten. Mit kochendem Wasser aufgießen und unter gelegentlichem Umrühren 5 Minuten ziehen, absieben. Bei normaler Dosierung von täglich drei Tassen sind auch bei diesem Heiltee keine Nebenwirkungen zu erwarten. Dennoch sollte man Schlehentee, wie alle anderen Heiltees auch nur kurmäßig trinken, das heißt nach etwa vier Wochen wechselt man zu einem andern Kräutertee. 

Innere Anwendung
* Erkältungen
* Appetitmangel
* Rekonvaleszenz
* Darmträgheit
* Gicht

Also genau das Richtige für den körperlichen „Frühjahrputz“.
Aus Schlehenblüten wird auch ein feines Öl gewonnen, das in Reformhäusern und Apotheken erhältlich ist. Es wird äußerlich als Massageöl und für Fußbäder verwendet, aber auch für die medizinische Hautpflege:

Äußere Anwendung
* Erkältungskrankheiten
* Frieren

Ernte und Kulinarisches
Die Schlehenblüten für einen Frühjahrsteeaufguß kann man je nach Klima schon Ende März ernten. Sie haben zu dieser Zeit einen besonders zarten Mandelgeschmack. Man kann die getrockneten Blüten auch mit schwarzen Tee mischen. Für die Ernte der Früchte muss man sich allerdings etwas in Geduld üben und den Winter abwarten. Die herb-sauren Früchte sind erst nach dem ersten Frost genießbar. Sie schmecken dann milder lassen sich auch besser verarbeiten. Doch leider haben zu diesem späten Zeitpunkt schon die Vögel für die erste Ernte gesorgt. Deshalb ist es schlauer, früh zu ernten und die Beeren einfach liegen zu lassen. Noch besser kann man sie mit moderner Küchentechnik so richtig mürbe machen. Man füllt die Früchte, am besten zu 100 g abgewogen in Gefrierbeutel und friert sie ein. Nach ein paar Tagen kann man sie dann wieder auftauen und weiterverarbeiten Schlehen lassen sich ähnlich wie Holunder und Hagebutten gut mit Pflaumen, Äpfeln und Birnen kombinieren. Auch sie haben einen so „starken Charakter“ und Eigengeschmack das sie ihn auch in Gemeinschaft mit der „kultivierten“ Verwandtschaft nicht verlieren. Ihr Aroma wird dominieren. Man kann die Beute auch trocknen und als Zutat zu einem Wildfruchttee verwenden oder einfach mal zwischendurch kauen. Getrocknet schmecken Schlehen lecker sauer und trotzdem angenehm mild. 

Es hat keinen Zweck zu verschweigen, dass die Schlehenernte eine äußerst mühsame Sache ist. Die festen langen Dornen machen den Schlehbusch zwar zu einem idealen Vogelschutzgehölz, doch die Ernte der Früchte ist umso mühsamer. Nur Kleidung und unempfindliche Handschuhe schützen vor Verletzungen. Außerdem ist die Schlehenernte ist von Jahr zu Jahr extrem unterschiedlich. In manchen Jahren findet man im dornigen Gestrüpp kaum eine Beere. In anderen Jahren sind die Hecken voll der schwarzblauen Kugeln. Doch auch dann braucht man für ein Kilogramm Früchte sicher eine Stunde Pflückzeit.

Extra
Mit den Steinen der Schlehen lassen sich, ähnlich wie mit Kirschsteinen auch Kissen füllen. Man erwärmt die Kissen im Backofen oder in der Mikrowelle und legt sie auf schmerzende Muskeln oder Gelenke. Die Kerne halten die Wärme wunderbar andauernd.

Küchentipps
Die Lieblingsrezepte mit Schlehen sind Marmeladen oder Liköre, die außerdem noch verdauungsfördernd wirken. Man kann sie auch als ungewöhnliche süß-saure Beilage in Essig einlegen.

Rezept
Schlehenlikör „Hexenschreck“
500 g vollreife gefrorene Schlehenfrüchte
1 l fruchtig herber deutscher Rotwein
3 Gewürznelken
1 Stück Zimtrinde im ganzen
1 Päckchen Vanillezucker
2 Stück Sternanis
1 l reiner Weizenkorn oder Wodka (38%)
300 g Zucker
5 Essl. Rum

Die Schlehen waschen, trocknen und einen kleinen Teil der Früchte in einem Steinmörser mit den Kernen zerstoßen, denn die Kerne geben das Bitteraroma. (Vorsicht, nicht zuviel, siehe...) Die anderen Früchte nur so weit drücken, dass die Kerne ganz bleiben. Am einfachsten zerkleinert man die Früchte grob mit einem Rührstab. Die Masse gerade mit Wasser bedeckt aufkochen und abkühlen lassen. Dann den Rotwein zugeben und eine Woche in einem kühl und dunkel Raum ziehen lassen. Die Mischung passieren und dann nochmals mit den Gewürzen aufkochen. Den Zucker und den Vanillezucker zugeben und fünf Minuten weiterkochen lassen. Wieder abkühlen. Zuletzt die Flüssigkeit mit dem Alkohol vermischen. Den Likör in Flaschen füllen und kühl lagern. 

Schlehenlikör schätzen schon unsere Vorfahren zum Aufwärmen an kalten Wintertagen.

Schlehenmarmelade
à la Hobbythek
2 TL Äpfelsäure
4 geh. TL Apfelpektin HVM
400 g Zucker
250 g tiefgekühlte Schlehen
250 g tiefgekühlte Pflaumen
250 ml Rotwein oder Traubensaft
1 Prise Gewürznelkenpulver

Äpfelsäure und Pektin mit drei Esslöffeln Zucker vermengen. Die Früchte auftauen, gründlich waschen und zerdrücken. Die Pflaumen zerteilen. Die Früchte zusammen mit dem Wasser, dem Rotwein, dem Zucker und dem Gewürz eine gute halbe Stunde kochen. Dann durch ein stabiles Sieb streichen oder durch eine Flotte Lotte streichen. Nochmals vorsichtig aufwallen lassen. Zuckermischung zugeben und nochmals aufkochen. Heiße Masse in ein vorher mit siedendem Wasser ausgespültes Schraubglas geben und verschleißen. Glas für etwa 2 Minuten umdrehen. Die Marmelade dickt im Glas nach.
Schlehenmarmelade bringt den Appetit zurück.

Die wilde Küche aus dem Soonwald steckt voller gesunder bioaktiver Substanzen. Es genügen schon ein paar Wildkräuter-Blättchen, zum Beispiel Sauerampfer. Das ersetzt manche Pille aus der Apotheke.

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