Zweigriffliger Weissdorn

„Im Morgengraun des 1. Mai ein junges Mädchen draußen sei. Im Weißdorntau spazierengehn macht junge Mädchen wunderschön.“

andere Namen
Hagedorn

Lat: Crataegus laevigata (Rosaceae, Rosengewächse)

Volksnamen: 
Engl. Hawthorn
Franz. Aubepine

Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Blüten und Früchte

Botanik
Der Weißdorn ist ein dorniger Strauch. Aber es gibt auch Weißdornbäume. Der Weißdorn bevorzugt sonnige Hänge mit magerem Boden. Er findet sich als Pioniergehölz auf unbewirtschafteten Wiesen und Weinbergen, an Waldrändern und in Lichtungen. Die Blüten duften etwas unangenehm nach Trimethylamin. Der Weißdorn verträgt einen kräftigen Rückschnitt, er ist deshalb auch eine ideale Heckenpflanze. Zahlblose Tiere, Käfer, Hautflügler, Vögel ernähren sich vom Weißdorn und nisten in ihm. Deu Weißdornfrüchte sind botanisch betrachtet Apfelfrüchte und sie sehen ja auch tatsächlich aus wie winzige rote Äpfelchen. Sie enthalten ein bis zwei harte Kerne. Der einheimische Weissdorn steht auf der Hitliste der Futtersträucher für Insekten ganz oben, genau auf Platz 2, gleich hinter der Salweide. In der Summe finden 163 Kleinlebewesen im Weissdorn Nahrung, davon allein 56 Kleinschmetterlinge. Auch 16 Wildbienenarten bevorzugen Weissdorn. Am Beispiel des heimischen eingriffeligen und zweigriffeligen Weissdorn läßt sich gut zeigen, wie sich die Verwendung exotischer Gehölze im Vergleich zu ihrer heimischen Verwandtschaft auswirkt: während beim eingriffeligen und zweigriffeligen Weissdorn 32 Vogelarten Nahrung finden, können mit dem exotischen Verwandten, dem Lavalls Weissdorn nur drei unserer Vogelarten etwas anfangen.

Doppelgänger
Es gibt eine zweite sehr ähnliche Weißdornart, den eingriffligen Weißdorn, Crataegus monogyna (Rosaceae, Rosengewächse)die sich nur sehr wenig vom zweigriffeligen unterscheidet und sich genauso für eine kulinarische und heilsame Nutzung eignet.

Die Früchte des Weißdorns ähneln entfernt denen des Mehlbeerbaum (Sorbus aria) Der Mehlbeerbaum ist jedoch auf der Unterseite seiner Blätter silbrig behaart. Die Früchte lassen sich genauso verwerten wie Weißdornfrüchte. Es besteht also keinerlei Gefahr für eine gefährliche Verwechslung.

Geschichte und Mythos
Der deutsche Name „Hagedorn“ stammt von dem althochdeutschen „Hag“ ab, was so viel wie „Einfriedung“ bedeutet. Früher nutzte man den Weißdorn vielfältig als lebendige Hecke, die durch ihre festen Dornen ein undurchdringlichen Schutz bildete. Die Abwehr galt nicht nur wilden Tieren sondern auch Geistern und Dämonen, insbesondere der altnordischen Hexe, die „Hagazissa“ oder „Hagazussa“ genannt wurde. Das Wort „Hagazussa“ bedeutet soviel, wie „die auf dem Zaun sitzende“, oder auch „reitende“ Hexe. Das „Hageweib“ war also ganz nah bei den Menschen und gleichzeitig Teil der Wildnis.

Nach dem alten Volksglauben war der Weißdorn, wie auch andere dornenbewehrte Pflanzen (siehe : Schlehen) eine magische Pflanze, die bösen Zauber abwehren konnte
Aus gerösteten Kernen der Weissdornfrüchte stellte man in Notzeiten, zum Beispiel noch während des Ersten Weltkrieges, eine Kaffeeersatz her. Aus dem harten Holz wurde man ein Spazierstock hergestellt und aus Rinde und Wurzel gelber Pflanzenfarbstoff.

Inhaltsstoffe
Früchte:
Vitamin C
organische Säuren
Pektine
Procyanidine
Flavonoide

Wirkung
Jeder hat schon mal eine Packung mit Herzmittel gesehen, auf denen der Weißdorn abgebildet ist.

Tatsächlich sind die blutroten Früchte herzstärkend und helfen bei leichteren Formen von Herzerkrankuzngen. Es scheint so, als wollten sie mit ihrer Farbe darauf hinweisen, wofür sie nützlich sein können. Die Früchte haben einen hohen Pektingehalt. Pektine sind Substanzen, die auch als Geliermittel verwendet werden. Neuere Forschungen haben ergeben, dass Pektine den Cholesterinspiegel senken können. Die besonders herzwirksamen Substanzen sind die Procyanidine und die Flavonoide. Diese sekundären Pflanzenstoffe kommen in der ganzen Pflanze vor und fördern die Durchblutung des Herzens und der Herzkranzgefäße. Da Arznei mittel standardisiert werden müssen, enthalten sie immer nur bestimmte Substanzen in genau festgelegten Qualitäten. Aber da das Ganze immer besser ist als die Summe seiner Einzelteile ist es sicher kein Fehler sich auch mal aus der Apotheke der Natur direkt zu bedienen, besonders dann, wenn der versuch mit exquisiten Geschmackserlebnissen verbunden ist.

Ernte und Kulinarisches
Weissdornfrüchte kann bis weit in den November hinein ernten. Ihre herben Früchte sind zwar auch schon roh verzehren, aber kulinarisch noch kein Höhepunkt. Man kann aber auch schon im September mit der Ernte beginnen, nur muss man dann die Früchte zum Nachreifen mindestens eine Woche liegenlassen, damit sie etwas weicher werden oder – noch einfacher – man friert sie ein. Das hat den Vorteil, dass im September die tierischen Konkurrenten noch nicht abgeräumt haben. Ein Teil der Früchte sollte man auf jeden Fall für den eigenen Haustee „Winterwärme“ trocknen.

Beim Kochen der Früchte ist man zunächst mit dem gleichen leicht unangenehmen Geruch konfrontiert, den man vom Frühjahr kennt, wenn man an einer blühenden Weißdornhecke entlang geht. Die biogenen Amine (z.B. Trimethylamin) werden in der warmen Frühlingssonne und beim Erhitzen freigesetzt. Das unangenehme Aroma verliert sich jedoch schnell und weicht einem klöstlichen Aroma.

Auch die ganz jungen Blätter des Weißdorns, die im April erscheinen haber einen überraschend angenehm nussigen Geschmack, Sie sind eine Bereicherung für jeden Frühlingssalat.

Küchentipps
Die Früchte des Weißdorns vertragen sich gut mit Äpfeln und Birnen. In dieser Kombination lassen sich viele verschiedene köstliche Marmeladen, Gelees und Desserts herstellen. Die Kombination von Wildfrüchten mit Zuchtformen hat den Vorteil, dass man auf der einen Seite das intensive herb-aromatische Aroma der Wildfrucht und ihre geballten Inhaltsstoffe hat, gleichzeitig aber die Fülle und Milde des Zuchtobstes. Außerdem braucht man nicht so viele Wildfrüchte für die Rezepte. Das hilft, denn oft ist das  Sammeln großer Mengen schwierig ist.
Weißdorn verleiht jeder Zubereitung eine wunderbare tiefrote Farbe. Gegen Sie einfach ihren gewohnten Dessertrezpten etwas Weißdornmus zu. Die Zubereitung ist dieselbe wie bei Hagebutten. Solche Mischrezepte mit Weißdorn lohnen auf jeden Fall einen Versuch!

Rezepte
Weißdorndessert „Herbstglut“
1 kg Weißdornfrüchte 
1 kg Äpfel
Apfelsaft
Zucker oder Honig nach Geschmack
Löffelbisquit
Weißdornlikör oder ein anderer Likör

Die Weißdornfrüchte waschen, sorgfältig verlesen. Die Äpfel in Stücke schneiden. Die Früchte mischen und knapp mit Apfelsaft bedeckt aufsetzen und bei kleiner Hitze köcheln lassen bis alles weich ist. Das dauert etwa eine viertel Stunde. Den Mus durch ein kräftiges Sieb oder eine Flotte Lotte passieren und die Kerne zu entfernen. Abkühlen lassen. Eine rechteckige Schale mit Löffelbiquit auslegen. Mit dem Likör, oder wer Alkohol vermeiden will, mit etwas Apfelsaft beträufeln. Das Weißdorn-Apfelmus über die Bisquits streichen. Darauf wieder eine Bisquitschicht legen und zum Abschluß wieder eine Schicht Mus darüber streichen. Kühl stellen und kurz vor dem Servieren mit Blättern oder Blüten garnieren. 

Weißdornlikör „Herzenssache“
200 g Weißdornfrüchte
1 Flasche Weizenkorn oder Wodka 32%
100 g Kandis

Die Weißdornfrüchte waschen, sorgfältig verlesen und in eine Flasche füllen. Den Zucker dazu gebe und den Alkohol zugeben. In einem warmen Raum mindestens 4 Monate ziehen lassen. Danach den Likör filtern. 

Tee „Winterwärme“
100 g getrocknete Hagebutten
100 g Weißdorn
50 g Schlehen

Die Früchte mischen und mit dem Schneidstab grob zerkleinern. Das Gemisch in ein braunes dichtes Schraubglas geben. (in der Apotheke erhältlich). Für den Tee einen Eßlöffel pro Tasse mit kochendem Wasser aufgießen und 10 Minuten ziehen lassen. Nach Geschmack süßen.

Die wilde Küche aus dem Soonwald steckt voller gesunder bioaktiver Substanzen. Es genügen schon ein paar Wildkräuter-Blättchen, zum Beispiel Sauerampfer. Das ersetzt manche Pille aus der Apotheke.

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